Mülldeponie

Wir schreiben das Jahr 2005. Man glaubt es kaum, aber wir bewegen was. Ganz Deutschland spricht von Stillstand und Firmenschliessungen. Ganz Deutschland ? Nein, ein unbeugsames Dorf, umzingelt von lauter Niedersachsen trotz der Konjunktur und lässt neues Gewerbe entstehen. Auch wenn es nur eine Mülldeponie ist (Werder 2 für alle die schon länger hier wohnen)

Auch die ersten Wirtschaftsgüter (früher wurde das als Schrott bezeichnet) wurden schon erfolgreich eingebracht. Wie in jedem neuen Industriegebiet versucht man auch in Werder die Natur mit der Industrie in Einklang zu bringen. Ob das gelungen ist, soll jeder selber für sich entscheiden.

 

Mit dem Radlader auf Abwegen

Skurrile Nachbarschaftsverhältnisse in Werder/ Auto unter Sandmassen begraben/Polizei eingeschaltet

Thedinghausen/Werder (sp) „Hier war mal der Garten.“ Eine gewisse Portion Galgenhumor ist bei Matthias Thom nicht zu überhören, wenn er auf durchpflügte Erde und abgebrochene Bäume zeigt. Durch den Garten hat ein Radlader seine zerstörerische Bahn gezogen.

Doch damit nicht genug. Hinter dem Haus liegt ein riesiger Berg erde. Die ist von dem Radlader zusammengeschoben worden. Und unter dem Haufen ragt ein VW-Passat herraus, der zur Hälfte unter Sand, Steinen und Holzresten verschwunden ist.

Matthias Thom, der in dem alten Bauernhof mit mehreren Wohneinheiten wohnt, kann es nicht fassen. „Das Auto war zwar alt, abgemeldet und nicht mehr besonders wertvoll. Aber wir haben Experimente zur Verwendung von Pflanzenöl in Dieselfahrzeugen durchgeführt. Von daher hatte das Fahrzeug für uns durchaus einen Wert“, so der 35-jährige Zimmerer.

Jetzt ist der wagen endgültig hin. Matthias Thom : „Wer für diese Aktion verantwortlich ist, habe ich mit eigenen Augen gesehen. Ein Bewohner einer benachbarten Wohnung wurde von mir spätabends dabei erwischt, wie er mit dem Radlader seine Runden drehte.“ Thom weiter : „ Dort wo eine besonders tiefe Grube gegraben wurde, droht jetzt sogar die Scheune einzustürzen.“

Zu allem Überfluss weiß der Hofbesitzer von den „Veränderungen“ auf seinem Grund und Boden noch nichts. „Der ist in Portugal“, so Matthias Thom, der zudem darüber rätselt, wie sein nachbar an den Radlader gekommen ist. Die Polizei ist eingeschaltet worden und ermittelt wegen Sachbeschädigung.

Was Matthias Thom bleibt, ist außer dem demolierten Auto und jeder Menge Ärger die Angst. „ Wer weiß, was als nächstes passiert ?“

Er und seine Freundin wollen demnächst wegziehen.

Hier ein Leserbrief zum Zeitungsbericht :

 

 

Kein Vandalismus, sondern eine Aufräum-Aktion

Unser Vorgehen mit dem Radlader war kein Vandalismus, sondern eine wohlüberlegte Aktion. Es ist bemerkenswert, dass sich unser Mitbewohner Herr Thom zumindest indirekt öffentlich dazu bekennt, seit Jahren seinen Müll gar nicht beziehungsweise illegal zu entsorgen.

Zum Sachverhalt : Wir sind ein Haus mit inzwischen acht Kindern und Jugendlichen, denen eine ständig anwachsende Ansammlung von Unrat aller Art zugemutet wird. Dazu gehört übrigens auch das uralte Auto. Der Müll ist ein ständiger Gefahrenpunkt. Er zeugt von verantwortungslosem Handeln.

Ich habe daher ehrenamtlich ein Projekt initiiert, um mit vielen jugendlichen Helfern nachmittags den Müll zu trennen, fachgerecht zu entsorgen und ein ordentliches Erscheinungsbild herzustellen. Der Eigentümer ist über meine Tätigkeit informiert. Es geht hier um die Beteiligung an gemeinschaftlichen Belangen, körperlicher Arbeit, Teamgeist, Durchhaltevermögen und natürlich Beschäftigung statt Langeweile.

Mir ist bekannt, dass Herr Thom meine soziales Engagement nicht sonderlich schätzt.

In Werder wird trotzdem weiter aufgeräumt.

Leserbriefe geben die Meinung ihrer Verfasser wieder. Kürzungen vorbehalten.

Quelle : Thedinghäuser Zeitung vom 28.04.2005